User Testing: Wie ihr herausfindet, wo eure Website verbessert werden kann
Ein strukturierter User-Test hilft euch, Probleme im Design oder im Konzept eures Projekts frühzeitig zu erkennen. Neben der klaren Definition der Ziele spielen die Auswahl der Testpersonen, die Gestaltung der Aufgaben, die Moderation sowie die Auswertung der Ergebnisse eine zentrale Rolle.
Das sog. »User Testing« gehört zu den wirkungsvollsten Methoden, um digitale Produkte zu verbessern. Konzepte, Layouts und Navigationswege werden zwar meist mit dem Ziel geplant, die Bedürfnisse der Zielgruppe bestmöglich zu bedienen. Doch erst wenn wir echten Menschen beim Navigieren, Suchen, Verstehen und vor allem Scheitern zusehen, wird sichtbar, wo das Produkt noch optimiert werden kann. Häufig stolpern die User an Kleinigkeiten wie unverständlichen Beschriftungen. Manchmal sind es ganze Inhalts-Strukturen, die zwar für den Betreiber der Website logisch sind, aber nicht für die Personen, die Informationen suchen.
User Testing zeigt uns eine Perspektive, die kein internes Meeting und keine Expertenmeinung ersetzen. Damit ihr selbstständig und strukturiert gute User Tests durchführen könnt, haben wir zusammengefasst, welche Methoden es gibt und worauf ihr achten solltet.
Ziele definieren
Bevor ihr Testpersonen kontaktiert oder Aufgaben schreibt, braucht ihr Orientierung. Macht euch Gedanken, was ihr wissen wollt und stimmt euch dazu im Projekt-Team ab. Möchtet ihr verstehen, ob eure Navigation intuitiv ist? Ob der Bewerbungsprozess verstanden wird? Oder möchtet ihr herausfinden, ob das Produkt auf eurer Landingpage verständlich erklärt ist?
Diese Klärung nimmt nur wenige Minuten in Anspruch, verhindert aber, dass der spätere Test unorganisiert, zeitintensiv und ohne konkrete Ergebnisse abläuft. Ein User Test ist dann für euch wertvoll, wenn ihr nach der Durchführung bestimmte Entscheidungen besser treffen könnt als zuvor.
Testpersonen wählen
Einen guten User Test erkennt man daran, dass diejenigen testen, für die die Website tatsächlich gedacht ist. Das klingt selbstverständlich, wird aber häufig übersehen. Anstelle von Kolleginnen und Kollegen, die das Produkt bereits kennen, braucht ihr Menschen, die eure Zielgruppen repräsentieren. Es gibt auch Online-Anbieter bei denen ihr passende Testpersonen buchen könnt.
Fünf bis sieben Personen reichen vollkommen aus, um den Optimierungsbedarf zu erkennen. Bei größeren Testgruppen werdet ihr nur dieselben Fehler häufiger mitgeteilt bekommen, was i.d.R. nur Zeit kostet und nicht zu neuen Erkenntnissen führt.
Entscheidend ist nicht die Masse, sondern die Vielfalt der Test-Kohorte: verschiedene Altersgruppen, unterschiedliche digitale Erfahrung und unterschiedliche Geräte sorgen für ein realistisches Bild. Ein Test ist dann besonders aussagekräftig, wenn die Testpersonen frei und unverstellt auf die Website treffen – ohne Vorkenntnisse, ohne interne Brille oder Tunnelblick.
Zeitaufwand planen
User Testing kostet mehr Zeit, als viele Teams zunächst annehmen. Plant für eine einzelne Test-Session etwa 30 bis 45 Minuten ein – inklusive Begrüßung, Einführung und den Aufgaben selbst. Bei fünf Testpersonen und drei Aufgaben pro Person kommt ihr bereits auf 2,5 bis knapp 4 Stunden reines Testing.
Habt ihr mehrere klar abgegrenzte Zielgruppen (z.B. Endkunden, Geschäftskunden und Partner), solltet ihr jede Gruppe separat testen. Mit 5 Personen pro Zielgruppe und jeweils 2-3 Aufgaben summiert sich das schnell auf einen vollen Arbeitstag oder mehr – zuzüglich Vor- und Nachbereitung.
Aufgaben definieren
Ein User Test läuft grundsätzlich so ab, dass ihr Aufgaben plant und diese Aufgaben den Test-Personen stellt. Gut geplante Aufgaben und eine professionelle Betreuung sorgen dafür, dass der Test vergleichbar und somit aussagekräftig ist. Es darf nicht passieren, dass User ohne Ziel in der Website oder Anwendung umherirren.
Aufgaben sollten immer beschreiben, was jemand erreichen möchte – nicht, wie die Person dorthin gelangen soll.
Statt »Öffne das Menü oben rechts und klicke auf „Karriere“« lautet die Aufgabe besser:
»Stell dir vor, du interessierst dich für eine ausgeschriebene Stelle. Finde heraus, wie du dich bewerben kannst, und startet den Bewerbungsprozess.«
So erkennt ihr, ob die Struktur eurer Website logisch genug ist, ohne dass ihr Hinweise geben müsst. Drei bis fünf solcher Aufgaben reichen meist schon aus, um ein erstaunlich klares Bild zu bekommen. Wichtig ist, dass ihr Aufgaben wählt, die euren Kernprozessen entsprechen – etwa Informationen finden, einen Kontakt herstellen, eine Spende abgeben oder ein Formular ausfüllen. Das Pareto-Prinzip findet auch hier einmal mehr Anwendung.
Testumgebung festlegen
User Testing braucht keine besondere Technik oder eine aufwändige Vorbereitung. Ein ruhiger Ort genügt – egal ob vor Ort oder digital. Wenn ihr remote testet, muss die Testperson ihren Bildschirm teilen können. Vor Ort reicht ein Notebook, Tablet oder Smartphone.
Sehr wichtig ist eine kurze Einführung: Erklärt, dass nicht die Testperson auf dem Prüfstand steht, sondern die Website. Dieser Hinweis nimmt Druck und fördert ehrliches Verhalten.
Wichtig ist außerdem, die sog. »Think-aloud-Methode« zu erklären: Testpersonen sollen während der Nutzung laut aussprechen, was sie denken. Für euch bietet das einen hohen Mehrwert: Wenn jemand sagt: »Hier hätte ich jetzt eigentlich einen Button erwartet« oder »Wie komme ich jetzt wieder zurück?«, wisst ihr sofort, wo ein Problem liegt, das sonst wahrscheinlich unsichtbar geblieben wäre.
Moderation
Bei der Moderation des User Tests müsst ihr darauf achten, weder Hinweise zu geben noch den Weg zu erklären. Die Rolle der Moderation besteht darin, zu beobachten, zu notieren und geduldig zu warten. Andernfalls verliert der User Test seine Wirkung. Wenn jemand stockt, notiert, warum die Person zögert.
Nach jeder Aufgabe könnt ihr kurze Verständnisfragen stellen: »Was hast du an dieser Stelle erwartet?« oder »Warum hast du diesen Button geklickt?« Solche Nachfragen öffnen den Blick auf Denk- und Entscheidungsprozesse, die ihr im Design oft unbewusst voraussetzt.
Dokumentation des Tests
Während des Tests lohnt es sich, Notizen strukturiert zu sammeln. Ihr müsst nicht jede Bewegung mitschreiben, aber ihr solltet alle Momente festhalten, an denen etwas ins Stocken gerät. Dazu gehören Formulierungen, die verwirren, Navigationsschritte, die nicht logisch erscheinen, und alle Situationen, in denen Testpersonen sagen, dass sie etwas nicht finden oder falsch verstehen.
Hilfreich ist es auch, wörtliche Zitate aufzuschreiben. Solche Aussagen haben hohe Aussagekraft und helfen dem Projekt-Team dabei Verständnis und Empathie aufzubauen. Auch der Faktor Zeit spielt eine Rolle: Wie schnell finden Personen das, was sie suchen? Wie lange hat es gedauert die Aufgabe abzuschließen?
Auswertung des User Tests
Die wirkliche Aussagekraft eines User Tests zeigt sich durch die Auswertung mehrerer Tests. Einzelne Beobachtungen sind interessant, aber Muster sind entscheidend. Wenn mehrere Personen dieselbe Schwierigkeit haben, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein strukturelles Problem vor.
In der Auswertung hilft es, alle Notizen auf Karten oder digitale Kacheln zu schreiben und diese in thematische Gruppen zu sortieren: z.B. Navigation, Formulare, Sprache, Bilder, technische Barrieren. Mit dieser visuellen Sortierung erkennt ihr sofort, wo sich Herausforderungen ballen.
Um weiterarbeiten zu können, hilft es, Probleme nach Schweregrad zu priorisieren. Kritisch sind alle Punkte, die Nutzer am Abschluss einer Aufgabe hindern. Schwer sind Probleme, die viel Zeit kosten oder Unsicherheit erzeugen. Mittlere Probleme verursachen Umwege, kleine sind Schönheitsfehler. Diese Priorisierung erzeugt Klarheit darüber, was sofort angegangen werden sollte und was später verbessert werden kann.