Web Design News & Link-Tipps – Nr. 50
Unsere Themen im Januar: Digitale Unabhängigkeit und Freiräume im Internet, öffentliche Design-Systeme, CSS für Masonry Layout, das Triumvirat der HTML-Semantik und inklusives Design für Gehörlose.
Allgemein
Rückkehr zu »Times New Roman«
Die Schriftfamilie »Calibri« überzeugt am Bildschirm durch bessere Lesbarkeit als »Times New Roman« und wurde daher seinerzeit als inklusivere Alternative gewählt. Da hier das Diversity-Thema tangiert wird, kehrt die Trump-Administration zu Times New Roman zurück …
Digital Independence Day
Die Abhängigkeit von großen Tech-Konzernen wird spätestens seit der Übernahme von Twitter durch Musk oder dem zweiten Amtsantritt von Trump öffentlich diskutiert. Wie die Befreiung von Big Tech mit wenig Aufwand möglich ist, wird nun auf der Website di.day beschrieben. Das Konzept dahinter: Jeden 1. Sonntag im Monat einen Dienst befreien.
Zielführende Design-Reviews
Parvaneh Toghiani schildert in »How to Stop the Stakeholder Swirl«, wie sich ihr Verständnis von Design-Reviews insbesondere mit Entscheidungstragenden mit zunehmender Erfahrung veränderte. Daraus hat sie eine Methodik entwickelt, mit der Reviews erfolgreicher durchgeführt werden können.
Das Ende der großen Innovationen
In einem Ausblick auf die technologische Entwicklung argumentiert der Autor des Blogs »Deciphering Glyph«, dass sich die Innovationsdichte der letzten zwanzig Jahre kaum fortschreiben lässt. Seine zentrale Beobachtung: Die Computerindustrie reift aus und stößt an physische, ökonomische und organisatorische Grenzen. Entsprechend plädiert er dafür, Open-Source-Software nicht für hypothetische Szenarien zu optimieren, sondern für reale Nutzung auf alltäglicher Hardware.
Freiräume im Internet zurückgewinnen
»A Website to Destroy All Websites« plädiert in sehr ansprechend gestalteter Weise für handgefertigte, persönliche Websites und IndieWeb-Technologien, um die Kontrolle über unsere Daten und Kreativität zurückzugewinnen. Dabei setzt er auf Pragmatismus: klein anfangen, experimentieren und die Freude am eigenen Webprojekt voranstellen.
UX/UI Design
Öffentliche Design-Systeme lohnen sich
Design-Systeme entfalten ihren größten Wert erst, wenn sie öffentlich sind. Der Artikel Public Design Systems Are Worth It beschreibt, warum sich dieser Mehraufwand lohnt und welchen Mehrwert Offenheit für Teams, Produkte und die Design-Community schafft.
Was die neuen macOS-Icons über Interface-Design verraten
In »It’s hard to justify Tahoe icons« analysiert Nikita Prokopov die neuen Icons von macOS Tahoe und nutzt sie als Ausgangspunkt für eine grundsätzliche Betrachtung von Icon-Design auf Systemebene. Seine zentrale Beobachtung: Icons funktionieren weniger als dekorative Illustrationen, sondern als visuelle Sprache, die nur dann verständlich bleibt, wenn sie konsequent gestaltet ist.
Penpot experimentiert mit MCP-Servern
In einem Artikel für das Smashing Magazine beschreibt Daniel Schwarz, wie Penpot aktuell in einer frühen, experimentellen Phase mit MCP-Servern und KI-gestützten Workflows experimentiert, um die Lücke zwischen Design und Entwicklung auch hier weiter zu verkleinern. Im Mittelpunkt stehen nicht fertige Features, sondern offene Prototypen. In einem Drive-Ordner lassen sich bereits Demos zu den Workflows ansehen.
Frontend
CSS Grid Lanes
Es gab eine jahrelange Diskussion darüber, wie mit CSS ein Masonry-Layout erstellt werden soll. Die bisherigen Techniken Flexbox und Grid ermöglichen das nicht, daher kümmerte sich eine Arbeitsgruppe darum, wie es implementiert werden soll. Nach einigem Hin und Her liegt das Ergebnis nun vor. Mit display: grid-lanes stehen uns zukünftig neue Layout-Techniken zur Verfügung.
CSS @scope in Firefox
Die Vererbung von CSS kann mitunter ungewünschte Auswirkungen auf verschachtelte Komponenten haben. Um den Wirkungsbereich eines Selektors zu begrenzen, ist @scope hilfreich. Das Feature ist ab Firefox 146 mit dabei und somit ein Baseline-Feature.
CSS Wrapped by Chrome
Das Chrome-DevRel-Team hat mit CSS Wrapped 2025 eine kurzweilige Zusammenstellung der in diesem Jahr neuen CSS-Features veröffentlicht. Achtung, einiges davon ist bisher Chrome-exklusiv.
CSS scrollbar-gutter
Ist eine Website länger als der Viewport, wird gescrollt. So viel ist bekannt. Wenn allerdings eine Unterseite erst gescrollt werden muss, nachdem Inhalte dynamisch nachgeladen oder aufgeklappt wurden, erscheint der Scrollbalken auch erst dann und sorgt mitunter für einen horizontalen Layout-Shift. Im schlimmsten Fall brechen Fließtexte anders um. CSS scrollbar-gutter kann helfen, doch es gibt auch Nachteile zu beachten.
SVG Sprites und SVG Stacks
SVG Sprites sind nun wahrlich keine Neuerung. Doch es gibt verschiedene Ansätze, die alle ihre Vor- und Nachteile haben. Wenn das Ziel darin besteht, eine zentrale Sprite zu verwenden, deren Bestandteile mit IDs sowohl im HTML- als auch im CSS-Code aufgerufen werden können, muss der Aufbau der SVG Sprite zahlreiche Anforderungen erfüllen, die von Vadim Makeev übersichtlich zusammengefasst werden.
Arbeiten mit CSS im Lauf der Zeit
In »Ciao BEM, Servus Vanilla CSS« beschreibt Gerrit van Aaken u. a. mit Code-Beispielen anschaulich, wie die dynamische Weiterentwicklung von CSS und entsprechender Methoden und Tools seine Arbeitsweise verändern, auch wenn das mitunter etwas länger braucht.
URL-Parameter ohne Performance-Kosten
Barry Pollard, Developer im Chrome-Team, erklärt in einem Blogbeitrag, warum URL-Parameter oft zu Caching- und Performance-Problemen führen können, wenn z. B. unterschiedliche Links auf den gleichen Inhalt führen. Er zeigt dabei, wie der neue, noch experimentelle Header No-Vary-Search das Caching und die Ladezeiten verbessern kann.
robots.txt notwendig für Google-Suchergebnisse
Dass das Fehlen einer erreichbaren robots.txt-Datei dazu führen kann, dass Google den gesamten Crawl stoppt und die Seite aus den Suchergebnissen verschwindet, führt Alan W. Smith in einem Post auf seiner Website aus. Anlass war ein dokumentierter Fall, als der Traffic nach dem Wegfall der robots.txt plötzlich komplett einbrach, was Google in einem Support-Video bestätigte.
Das Triumvirat der HTML-Semantik
Tomasz Jakut macht im HTMHell-Adventskalender einen Deep Dive in die HTML-Semantik. Er beleuchtet dabei die drei Ebenen für Nutzer, Maschinen und Entwickler. Sein Fazit: Korrekte Semantik verbessert nicht nur die Zugänglichkeit, sondern unterstützt auch SEO und Wartbarkeit.
WordPress
WooCommerce und Mastercard starten Partnerschaft
WooCommerce geht eine strategische Zusammenarbeit mit Mastercard ein, durch die Händler in Europa, dem Nahen Osten und Afrika einfachen und sicheren Zugang zu erweiterten Zahlungsfunktionen über die Mastercard Merchant Cloud erhalten.
Stripe’s Agentic Commerce Suite mit WooCommerce-Support
WooCommerce ist Launch-Partner der neuen Agentic Commerce Suite von Stripe, die es Shop-Betreibern ermöglicht, ihren Produktkatalog einmal zu integrieren und anschließend über verschiedene KI-Shopping-Agenten zu verkaufen. Aktuell jedoch erst einmal nur für den US-Markt.
Barrierefreiheit
Accessibility 2026: Ein Blick in die Glaskugel
Neben vielen vagen Weissagungen zu Design-Trends für das kommende Jahr gibt es (hoffentlich) auch einige anstehende Verbesserungen beim Thema Accessibility im Web. Eine Vorhersage, die uns gefällt!
Design für Gehörlose
In seinem Artikel »How To Design For (And With) Deaf People« zeigt Vitaly Friedman, dass inklusives Design für gehörlose Menschen weit über technische Barrierefreiheit hinausgeht. Die zentrale Erkenntnis hierbei: Gute Lösungen entstehen nur, wenn Betroffene aktiv in Research, Testing und Entscheidungsfindung eingebunden werden. Friedman macht deutlich, dass Kommunikation immer mehrere gleichwertige Wege braucht. Beispielsweise Text statt Telefon, Untertitel und Transkripte für Audio sowie visuelle und haptische Hinweise.
Wieso DOM-Mutationen im Browser für a11y wichtig sind
Max Design erklären auf verständliche Art und Weise, wie der Browser das DOM (also die Struktur einer Webseite) automatisch ändert, etwa durch Klicks oder Eingaben, auch bevor dieses mit JavaScript manipuliert wird. Diese DOM-Mutationen sind zentral für die Interaktivität und folglich auch für die Barrierefreiheit.
Keine Konformitätsaussage für ein Webangebot mit Overlay-Tool
BIK (Barrierefrei informieren und kommunizieren), die maßgebliche Stelle für die Entwicklung und Pflege des BITV-Tests, ergänzt die Beschreibung des Prüfverfahrens um eine Aussage zu sogenannten Overlay-Tools und erklärt sich außerstande, eine Konformitätsaussage für Websites mit Overlay-Tools zu machen. Auch können solche Sites BIK-Prüfergebnisse und -Prüfzeichen nicht nutzen. Wir haben das Thema Overlay-Tools schon wiederholt aufgenommen.
Tools
- »WCAG 2.2 Card Deck« ist eine Figma-Vorlage für einen ausdruckbaren Satz von handlichen Karten, welche die aktuellen Standardkriterien für Barrierefreiheit anschaulich darstellen.
- ExposedByDefault ist ein browserbasiertes Tool, das alle standardmäßig freigegebenen Browser-Daten wie Canvas-Fingerprints, GPU-Details, Hardware-Infos und Permissions scannt und anzeigt, um Tracking-Risiken sichtbar zu machen.
- Mit colorize.design lassen sich Farbpaletten aus beliebigen Websites extrahieren, anzeigen und exportieren.
- Der E-Mail-Editor von Courselit ist ein kostenloser, Open-Source-E-Mail-Template-Editor, mit dem responsive HTML-E-Mails per Drag-and-Drop gebaut und getestet werden können.
- Auf Scroll-driven-animations.style ist eine interaktive Demo- und Lernseite des Chrome-Teams, die CSS Scroll-Driven Animations mit editierbaren Beispielen wie Parallax-Effekten, Fade-Ins und Scroll-Timelines vorführt.
- Mit ReliCSS lassen sich CSS-Browserhacks außerhalb eines Codeeditors auf Aktualität und Alternativen prüfen.