Web Design News & Link-Tipps – Nr. 52

Allgemein

Selber denken!

Sophie Koonin hat auf ihrem Blog einen guten Überblick über die momentanen Debatten rund um GenAI und Agentic Coding geschrieben. Sie plädiert dafür, das Denken nicht LLMs zu überlassen und die Arbeit mit diesen Tools im eigenen Arbeitsalltag klar einzugrenzen, um hart erarbeitetes Wissen und Erfahrung nicht dabei zu verlieren.

Welches Problem lösen wir mit KI?

Das aggressive Marketing der großen KI-Anbieter erzeugt branchenübergreifend ein Gefühl, dass jeder diese Technologien einsetzen muss, um nicht irrelevant zu werden. Das erzeugt Ängste und beeinflusst Geschäftsentscheidungen. Wenn aber Angst zum Haupttreiber für Entscheidungen wird, gehen die Strategien verloren: Panikgetriebene Einführung von KI schafft eine Illusion von Sinnhaftigkeit, wo möglicherweise gar keine ist. Um menschliches Wohl und betriebliche Ressourcen zu schonen, schlägt Ana-Maria Stanciuc vor, statt »Können wir es uns leisten, KI nicht einzusetzen?« besser diese Frage zu stellen: »Welches Problem lösen wir mit KI?«

Widerrufsbutton wird 2026 für Online-Shops Pflicht

Erinnerung: Ab Juni 2026 müssen Online-Shops per EU-Richtlinie einen elektronischen Widerrufsbutton implementieren – klar beschriftet, sichtbar und mit zweistufiger Bestätigung. In der ausführlichen Erklärung werden die Anforderungen detailliert beschrieben.

Git-Historie mit Conventional Commits lesbar machen

Nicht ganz neu – aber nach wie vor hilfreich: Conventional Commits ist eine einfache Spezifikation für strukturierte Git-Commit-Messages. Die Standardisierung ermöglicht konsistente Kommunikation in Teams und übersichtliche Git-Historien. Der Ansatz ist mit SemVer kompatibel und ermöglicht Automatisierungen wie Releases oder Changelog-Erzeugung.

UX/UI Design

Warum Design Systems einen »Enforcer« brauchen

Ein Design System allein reicht nicht – es braucht jemanden, der die Einhaltung aktiv durchsetzt. Laura Klein beschreibt bei der NN/g, wie ohne diese Rolle kleine Abweichungen schnell zu inkonsistenten Produkten führen.

False Bottom

Wir haben bei einem aktuellen Projekt ein Nutzer-Testing gemacht und wurden schmerzlich an den False-Bottom-Effekt erinnert. Gemeint ist damit das Problem, dass Nutzer glauben, das Ende einer Seite erreicht zu haben, obwohl es noch mehr Inhalte darunter gibt. Sie stoppen also das Scrollen und lesen nicht weiter. Es lohnt sich, Basics regelmäßig in Erinnerung zu rufen.

Design-Systeme als Kontext für bessere KI-Ergebnisse

Hardik Pandya zeigt, wie LLMs deutlich präzisere UI-Vorschläge liefern, sobald sie ein bestehendes Design-System kennen und anwenden. Die Designentscheidungen sind dabei längst getroffen, das Modell übersetzt sie nur konsequent in die Praxis und liefert erstaunlich konsistent überzeugende Ergebnisse. Ein starkes Argument dafür, gut dokumentierte Design-Systeme nicht nur für Menschen zu pflegen.

Figma Code to Canvas

Figma ist hat in Kooperation mit Anthropic (Claude) und Open AI (Codex) die MCP-Schnittstelle erweitert. Figma ist nun ohne Plugins dazu in der Lage, gecodete Komponenten auf dem Canvas zu rendern. Ein Trend der für uns wenig überraschend ist. Auch Southleft hat mit der sog. MCP Console eine sehr interessante Erweiterung geschrieben, die Prompts in Figma-Layouts verwandelt.

Ist das Ende der Figma-Ära gekommen?

Jonny Burch argumentiert in »Life after Figma is coming (and it will be glorious)«, dass nicht ein einzelnes Tool Figma ablösen wird, sondern ein ganzes Ökosystem: Design-Werkzeuge als Dependencies im Code, direkt im Editor, offen und austauschbar. Ein provokanter, aber schlüssiger Blick auf die Zukunft des Design-Workflows, in dem Code zur einzig verlässlichen Source of Truth wird.

Wenn UI-Elemente mehr Klarheit brauchen

In seinem Blogbeitrag »Chip Away« setzt sich Donnie D’Amato mit wiederkehrenden und unklaren UI-Patterns auseinander (z. B. Badges und Tags, die auch Buttons sein könnten) und warum klare Definitionen helfen, deren Funktion vor der Umsetzung zu entscheiden.

Frontend

CSS border-shape

Im Gegensatz zu clip-path, das Inhalte lediglich maskiert, definiert die neue CSS-Eigenschaft border-shape die Box eines Elements tatsächlich neu – inklusive Hintergrund, Fokus-Outline und Box-Shadow. Una Kravets hat dazu eine schöne Zusammenfassung geschrieben. Das Feature ist aktuell unter der Chrome-Flag verfügbar.

Container Timing: Performance auf Komponentenebene messen

Metriken wie LCP messen die Ladezeit einer ganzen Seite – aber wie schnell eine Komponente rendert, war bisher schwer zu erfassen. Die neue Container-Timing-API schließt diese Lücke: Per containertiming-Attribut lassen sich DOM-Teilbäume überwachen. Daniel Pecos Martínez beschreibt in seinem Artikel, wie die API funktioniert. Aktuell hinter Feature-Flag in Chromium 144+ testbar.

Interop 2026 ist gestartet

Die browserübergreifende Initiative für bessere Webkompatibilität geht in die nächste Runde. Zu den 20 neuen Fokusthemen gehören unter anderem verbesserte Unterstützung für moderne CSS-Features und Web APIs. Jake Archibald fasst im Mozilla-Blog zusammen, was sich ändert.

Kreativ mit zukünftigem CSS

Frontend Masters zeigen anhand eines Kilometerzähler-Effekts, wie sich komplexe Zahlenanimationen mit reinem CSS umsetzen lassen und geben dabei einen guten Ausblick auf kommende Features wie die erweiterte attr()-Funktion und sibling-index().

Neue CSS-Längeneinheiten und »Multi-Keyword-Syntax« für display

Die CSS-Längeneinheiten rcap, rch und rex haben kürzlich Baseline-Support erhalten. Sie beziehen sich auf typografische Eigenschaften wie die Versalhöhe, die 0-Breite und die x-Höhe. Ebenfalls Baseline-Support erhielt die sogenannte »Multi-Keyword-Syntax« für die CSS-Eigenschaft display, durch die sich äußeres und inneres Layout-Verhalten eines Elements getrennt und präziser definieren lässt – wie beispielsweise display: block flex.

CSS im echten Web: Die CSS Selection 2026

Die CSS Selection von Project Wallace analysiert die CSS-Strukturen von über 100.000 Websites und gibt Einblicke, wie CSS im Web tatsächlich verwendet wird. Ausgewertet wurde unter anderem, wie viel CSS Websites typischerweise ausliefern, wie verbreitet Regeln wie @media oder @container sind und wie häufig !important eingesetzt wird. Grundlage der Analyse sind Daten des HTTP Archive, die auch für den Web Almanac genutzt werden.

Typografische Skalen als mathematisches System

Wer Überschriftengrößen bisher manuell berechnet und einzeln deklariert hat, bekommt bei Stuart Robson eine elegantere Alternative: Die Kombination aus :heading(), sibling-index() und pow() macht es möglich, die gesamte typografische Skala auf eine einzige CSS-Regel zu reduzieren. Die Technik ist aktuell nur in der Safari Technology Preview vollständig verfügbar, weshalb noch kein produktiver Einsatz möglich ist – aber sie gibt einen spannenden Ausblick.

Lazy-Loading für Audio und Videos am Horizont

Scott Jehl fasst auf seinem Blog die aktuellen Updates für lazy-loading bei Videos und Audio zusammen. Die Entwicklung hat einen Sprung gemacht und das Attribut ist nun zum Testen in Chrome Canary verfügbar.

»State of JS 2025« Ergebnisse veröffentlicht

Die Ergebnisse der jährlichen »State of JS« Umfrage wurden veröffentlicht. Immer interessant zum Stöbern und um den eigenen Stack abzugleichen.

Polyfill macht HTML-Switch-Element überall nutzbar

Thomas Steiner zeigt, wie ein Polyfill das neue HTML-Switch-Element in allen Browsern nutzbar macht und dabei Barrierefreiheit berücksichtigt. So werden einfache Checkboxes zu echten Switches und unterstützen klare An/Aus-Zustände.

Verbesserte XSS-Prävention durch setHTML

Als Teil der neuen, standardisierten Sanitizer API führt Firefox 148 als erster Browser die neue setHTML()-Methode ein. Diese bietet einen standardisierten Schutz vor Cross-Site-Scripting-Angriffen und bereinigt HTML-Inhalte automatisch von potenziell gefährlichen Elementen. Sie ersetzt damit die problematische innerHTML-Methode.

Barrierefreiheit

»Visually Hidden« auf dem Prüfstand

Was verbirgt sich wirklich hinter .visually-hidden? David Bushell unterzieht den altbekannten CSS-Hack einer kritischen Analyse und zeigt, warum die gängige Implementierung mehr Fallstricke hat, als die meisten vermuten. Von unerwarteten Scroll-Problemen bis hin zu fragwürdigen Annahmen darüber, was assistive Technologien tatsächlich leisten – eine unterhaltsame Geschichtsstunde.

Textgrößeneinstellungen von Mobilgeräten in Websites respektieren

Die Textgrößeneinstellungen in mobilen Betriebssystemen wie Android und iOS werden von den Browser-Engines unterschiedlich behandelt. Aktuell respektiert nur Firefox die Systemeinstellungen der Nutzer unmittelbar. Wenn man die Sonderwege der anderen Hersteller kennt, ist es jedoch möglich, in allen Browsern die eingestellten Textgrößen auf Websites anzuwenden.

WordPress

WordPress.com integriert KI-Assistent im Editor

Automattic rollt auf WordPress.com einen KI-Assistenten aus, der direkt im Site-Editor, im Block-Editor, in der Mediathek und in Notizen funktioniert. Der Assistent lebt in der rechten Sidebar und kann das Theme anpassen, Layouts bauen, Texte verfeinern oder Bilder generieren.

Internet Archive und Automattic haben bei einem Plugin kollaboriert, welches automatisierte Redirects auf archivierte Seiten der Wayback Machine ermöglicht.

Tools

Feedback & Ergänzungen – Schreibe einen Kommentar

Kommentar zu dieser Seite

Wir freuen uns über Anregungen, Ergänzungen oder Hinweise zu Fehlern. Wir lesen jeden Eintrag, veröffentlichen aber nur, was den Inhalt sinnvoll ergänzt.

Geschrieben von:

Jonas Hellwig

Benutzerbild

Jonas ist Gründer von kulturbanause. Er arbeitet an der Schnittstelle zwischen UX/UI Design, Frontend und Redaktion und hat zahlreiche Fachbücher und Video-Trainings veröffentlicht. Jonas Hellwig ist regelmäßig als Sprecher auf Fachveranstaltungen anzutreffen und unterstützt mit Seminaren und Workshops Agenturen und Unternehmen bei der Planung, der Gestaltung und der technischen Umsetzung von Web-Projekten.

Jonas Hellwig bei Mastodon, LinkedIn, Xing und YouTube.

Ferenc Petöcz

Benutzerbild

Als Webentwickler setzt Ferenc bei kulturbanause maßgeschneiderte Webauftritte und Website-Komponenten um und betreut und optimiert Bestehende. Er hat besonderes Interesse an innovativen Ansätzen und modernen Lösungen, wobei er dabei stets auf die Robustheit und Verlässlichkeit des Gesamten achtet.

Charleen Warkentin

Benutzerbild

Charleen arbeitet als Webdesignerin bei kulturbanause. Sie gestaltet und realisiert Websites, die durch klare Strukturen, ästhetisches Design und hohe Benutzerfreundlichkeit überzeugen. In enger Zusammenarbeit mit den Developern sorgt sie dafür, dass Gestaltung und Funktion perfekt ineinandergreifen.

Felix Lehmann

Benutzerbild

Als Team Lead für Design und Code bei kulturbanause verantwortet Felix die Konzeption, Gestaltung und Entwicklung komplexer Websites und Designsysteme. Er begleitet den gesamten Prozess – vom ersten Workshop bis zum Launch. Wenn er nicht selbst maßgeblich an der Umsetzung beteiligt ist, unterstützt er das Team bei der Umsetzung moderner, funktionaler Lösungen mit aktuellsten Browser-Technologien und ist die Schnittstelle zum Kundenteam.

Konstantin Hanke

Benutzerbild

Konstantin arbeitet als Webentwickler bei kulturbanause. Seine Hauptaufgabe ist die technische Umsetzung von klaren, soliden und effizienten Webauftritten und Website-Komponenten. Darüber hinaus kümmert er sich um die Wartung, Optimierung und Weiterentwicklung von bestehenden Websites. Sein besonderes Interesse gilt der Idee von quelloffener, freier Software.

Projekte mit kulturbanause

Wir wissen wovon wir reden. Wir realisieren komplette Projekte oder unterstützen punktuell in den Bereichen Design, Development, Strategy und Content.

Design + Code

Schulungen von kulturbanause

Wir bieten Seminare und Workshops zu den Themen Konzept, Design und Development. Immer up-to-date, praxisnah, kurzweilig und mit dem notwendigen Blick über den Tellerrand.

Schulung + Beratung